logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
OECD erwartet für Deutschland 700 000 Arbeitslose mehr Ende 2010


Paris (dpa) - Deutschland muss angesichts des massiven Konjunktureinbruchs wieder mit deutlich mehr Arbeitslosen rechnen. Nach Schätzung der Wirtschaftsorganisation OECD dürfte es bis Ende 2010 rund 700 000 mehr Menschen ohne Job geben. Damit steige die Arbeitslosenquote nach deutscher Rechnung von 7,7 auf knapp über 9 Prozent, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Paris mit. Zuletzt waren im Oktober in Deutschland 2,997 Millionen Menschen ohne Job - damit lag die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 16 Jahren lag wieder unter der Marke von drei Millionen.

Als Hoffnungsschimmer verwies die OECD - der 30 Industriestaaten angehören - darauf, dass die Inflation deutlich zurückgehen werde. Vor allem Nahrungsmittel und Energie würden billiger. Aber besonders Für die deutschen Unternehmen fällt die aktuelle Prognose der OECD nicht sehr rosig aus. Getrieben von der Schwäche der Handelspartner und den rückläufigen Investitionsausgaben werde die Wirtschaft 2009 voraussichtlich um 0,8 Prozent schrumpfen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im kommenden Jahr um 0,8 Prozent sinken wird.

Der Abwärtstrend in der Wirtschaft werde aber nicht so lange andauern wie der Abschwung auf dem Arbeitsmarkt, sagte der OECD- Deutschlandexperte Felix Hüfner. Bereits vom zweiten Halbjahr an sei mit einer Erholung der Wirtschaft zu rechnen. Für 2010 werde bereits wieder mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet. "Deutschland steht da auf etwas weniger sandigem Boden als andere", sagte der OECD-Abteilungsleiter Andreas Wörgötter.

Einen positiven Beitrag zum Wachstum leistet nach OECD-Angaben vor allem der private Konsum. Bereits durch die vergangenen Lohnabschlüsse hätten viele Menschen mehr Geld in der Tasche. Zusätzlich werde die Kaufkraft durch den erwarteten Rückgang der Teuerungsrate erhöht. "Die Inflation wird auf deutlich unter eineinhalb Prozent sinken", prognostizierte Hüfner.

Für die globale Wirtschaft bekräftigte die OECD ihre bereits Mitte des Monats vorgestellten Prognosen. "Die ganze Weltwirtschaft könnte in eine Rezession fallen", sagte OECD-Chefökonom Klaus Schmidt- Hebbel. 21 der 30 OECD-Mitgliedstaaten erwarte ein Abschwung, der ähnlich schwer sei wie der in den 1980er Jahren.

Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket ist nach Einschätzung der OECD sinnvoll, aber verbesserungswürdig. "Die positiven Segnungen könnten zu spät kommen", sagte Wörgötter. Es sei zu befürchten, dass die auf zwei Jahre angelegten Hilfen im Umfang von 12 Milliarden Euro lediglich den Aufschwung im Jahr 2010 stützen, weil die Unternehmen die Investitionen bis dahin hinauszögerten. Grundsätzlich sollten Programme deswegen zeitlich stark begrenzt sein. Insgesamt gesehen habe Deutschland "einen größeren Spielraum als dieses Programm", ergänzte Wörgötter.

Von Milliardenhilfen für einzelne Wirtschaftszweige wie die Autoindustrie hält die OECD wenig. Spezielle Unterstützungsmaßnahmen sollten sich auf den Finanzsektor beschränken, sagte Schmidt-Hebbel. Darüber hinaus gehende Programme sollten alle Wirtschaftsbereiche positiv beeinflussen und besonders effektiv für den Konsum und die Investitionen sein.
dpa hs xx z2 ir/so
 << zurück zur Übersicht