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Europäische Wirtschaft sieht China als
Peking (dpa) - China wird nach Einschätzung der europäischen Wirtschaft durch die globale Finanzkrise noch mehr an Bedeutung gewinnen. "China ist der Einäugige unter den Blinden", sagte der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, am Donnerstag vor dem Asien-Europa-Gipfel (ASEM) in Peking im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Trotz eines langsameren Wachstums werde China "sehr viel stärker" aus der Krise herauskommen und für multinationale Unternehmen noch wichtiger werden.

"Die USA werden jetzt erstmal in eine Rezession gehen, Europa wird dem sicherlich nicht so stark folgen, wird aber auch Probleme haben", sagte Wuttke. Als langfristig größter Markt der Welt werde China dann noch wichtiger als vorher. "China wird sicher der große Gewinner sein und darauf werden sich europäische Unternehmen einstellen müssen", sagte der Kammerpräsident vor einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Donnerstag zu dem Gipfel in Peking eintraf.

China werde nicht so stark von der Finanzkrise betroffen werden. Trotz einer leichten Verlangsamung treibe das starke Wachstum von mehr als neun Prozent "immer noch jedem Europäer die Tränen in die Augen", sagte Wuttke. Das Exportwachstum sei zwar nicht mehr so hoch, doch seien die Einzelhandelsumsätze in China weiter stark. Auch die Verschuldung sei im internationalen Vergleich niedrig. Selbst mit ein paar Prozent weniger Wachstum könne China "noch gut fahren".

Außer in Bereichen mit Überkapazitäten wie Zement, Stahl oder Auto herrsche in der Industrie unverändert ein Boom. Möglicherweise seien Betriebe an der Küste von dem Abschwung betroffen, "aber im Landesinneren und im Westen brummt der Laden". Probleme könne es durch zurückhaltende Investitionspläne europäischer Firmen geben. "Haben sie das Geld, sich eine Investition oder eine Expansion in China zu leisten? Das ist wahrscheinlich eher der Knackpunkt", sagte Wuttke.

Der Kammerpräsident beklagte unverändert "Handelsbarrieren und Investitionshürden" für die europäische Wirtschaft in China. Das Handelsdefizit habe im vergangenen Jahr 160 Milliarden Euro erreicht. Die Hauptprobleme seien mangelnde Transparenz, die Verstöße gegen die Urheberrechte und unzureichender Marktzugang. "Es gibt etliche Firmen, die von Europäern gerne übernommen werden möchten, doch kommen sie nicht zum Zuge, während sich die Chinesen in Europa fröhlich in Firmen einkaufen können." Trotz Verbesserungen in einigen Bereichen seien die Probleme im wesentlichen unverändert.

Gespräch: Andreas Landwehr, dpa
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