logo
Home
Mein Depot
 Name, WKN, ISIN
LSR
Ölminister-Treffen: Schwieriger Balance-Akt der OPEC im Sog der Krise Von Christian Fürst, dpa
Wien (dpa) - Angesichts drastisch gesunkener Ölpreise treffen sich die Ölminister der 13 OPEC-Staaten an diesem Freitag in Wien zu einer außerordentlichen Krisensitzung. OPEC-Analysten erwarten von dem Treffen eine deutliche Senkung der bisherigen Rekord-Förderquoten. Forderungen nach einer Drosselung der Produktion kamen in den vergangenen Tagen aus mehreren Mitgliedsländern des Kartells. Doch die Entscheidung ist angesichts der weltweiten Finanzkrise und der drohenden Rezession in den Industrieländern besonders heikel: Fällt die Quotensenkung zu gering aus, dürften die Ölpreise nach Meinung von OPEC-Analysten weiter fallen. Drehen die Minister den Ölhahn dagegen zu stark zu, könnte dies Folgen für die Weltwirtschaft haben.

Angesichts des rapiden Preisverfalls - der Preis für OPEC-Öl stürzte seit Anfang Juli von über 140 US-Dollar für ein Barrel (159 Liter) auf rund 60 Dollar an diesem Mittwoch - herrscht in den Regierungen der Öl-produzierenden Länder die blanke Angst. Einige der OPEC-Mitglieder, allen voran Libyen, Venezuela oder der Iran, könnten bei einem weiteren Preisverfall in ernste Schwierigkeiten kommen. "Diese Länder brauchen einen Ölpreis von mindestens 70 Dollar um ihre Haushalte zu finanzieren" warnt Karsten Fritz, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt.

Kein Wunder also, dass sich der iranische Ölminister Gholam Hossein Nosari am Donnerstag in Wien für eine deutliche Drosselung der OPEC-Förderung um zwei Millionen Barrel aussprach. Ähnlich hoch würde die Drosselung auch nach den Forderungen des amtierenden OPEC- Präsidenten und algerischen Ölministers Chakib Khelil ausfallen.

Zurzeit fördern die 13 OPEC-Staaten einschließlich des Iraks im Durchschnitt rund 31 Millionen Barrel täglich. Das sind knapp 40 Prozent der gesamten Rohöl-Produktion. Angesichts des dramatischen Preisanstiegs der vergangenen Jahre auf bis zu 150 Dollar verwies das Kartell immer wieder darauf, dass der internationale Ölmarkt ausreichend versorgt, und die Preise ein Ergebnis politischer Unsicherheiten und der weltweiten Spekulation seien. Inzwischen aber registrieren die Öl-Analysten angesichts der schwächelnden Konjunktur insbesondere in den USA eine deutliche Abschwächung bei der Nachfrage. Auch die Spekulanten haben - die Rezessionsangst im Nacken - die Flucht aus dem Öl angetreten.

In dieser Situation bleibt den Ölministern am Freitag keine andere Wahl, als vorsichtig am Ölhahn zu drehen. Der Wiener Energieberater JBC erwartet, dass die 13 Minister mit Wirkung vom Dezember die Förderung um mindestens eine Million Barrel kürzen. Bei der regulären OPEC-Tagung im Dezember in Algerien könnte dann eine weitere Drosselung beschlossen werden. Doch dies, so JBC-Analyst Ehsan ul- Haq, könnte "zu wenig zu spät" sein, um den Preisverfall zu stoppen. Eine rechtzeitige Senkung der Förderung um zwei Millionen Barrel, so JBC, würde den Ölmarkt dagegen stabilisieren.

Ziel der Minister müsse in jedem Fall sein, die beschlossene Quotensenkung auch umzusetzen, meinen Experten. So sollten sich alle Mitgliedsländer verpflichten, ihre Förderquoten einzuhalten. Auch die übrigen Öl-produzierenden Länder müssten bei der Umsetzung der Drosselung mit der OPEC kooperieren. Ob die Ölpreise am Ende wieder über die 80-Dollar-Marke steigen werden, bleibt dagegen abzuwarten. Denn zu niedrige Preise, so warnten die Öl-Analysten von JBC, könnten zu Lasten der Öl-Infrastruktur und damit der künftigen Ölversorgung gehen.
dpa fu xx a3 dl

 << zurück zur Übersicht