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Agrarökonomen warnen Politik vor maßlosem Ausbau der Bioenergie
Hamburg (dpa) - Ein weltweit maßloser Ausbau der Bioenergie führt nach den Befürchtungen von Agrarökonomen zu einer Überforderung der Landwirtschaft. Wenn die Politik immer ehrgeizigere Expansionsziele für den Anbau von Energiepflanzen wie Raps, Mais, Soja oder Ölpalmen verfolge, könne sie damit die Anpassungsfähigkeit des Agrarsektors überstrapazieren, berichtete Prof. Folkhard Isermeyer vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (Rechterfeld/Bremen) am Donnerstag in Hamburg. Die Landwirtschaft habe nämlich gleichzeitig die Lebensmittelversorgung einer wachsenden Erdbevölkerung zu decken. Blieben die Erdölpreise hoch, werde Bioenergie allein schon aufgrund der Nachfrage nach solchen Energieträgern boomen, so dass dann staatliche Subventionen für diese Branche entbehrlich seien.

Isermeyer stellte eine Studie des Braunschweiger Instituts (früher Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft) beim Ernährungssymposium der Heinz Lohmann Stiftung "Frisst die Energie die Nahrung?" vor. In Deutschland erzeugte Ackerfrüchte tragen ihm zufolge ein Prozent zum Bioenergieanteil von sechs Prozent bei; die erneuerbaren Energien machen in Deutschland rund 8,5 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Wenn für einen einprozentigen Bio-Anteil zehn Prozent der deutschen Agrarfläche in Beschlag genommen werden, brächte eine Flächenausweitung auf 30 Prozent einen Anteil von nur drei Prozent. "Stimmt die Richtung?", fragte Isermeyer.

Eine zu hohe Festsetzung der Bioenergie-Ziele wäre auch klimapolitisch kontraproduktiv, mahnte Isermeyer. Bei sehr hohen Agrarpreisen drohe die Gefahr, dass in Übersee noch mehr Wälder brandgerodet und Wiesen zu Ackerflächen umgepflügt werden. Unterm Strich könnten diese Eingriffe in die Natur die Treibhausgas- Emissionen weiter nach oben treiben.
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