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Edeka schmiedet neuen Discount-Riese


Düsseldorf (dpa) - Deutschland größter Lebensmittelhändler Edeka schmiedet einen neuen Discount-Riesen. Die Genossenschaftsgruppe darf nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren mehr als 2300 Filialen der Tengelmann-Tochter Plus übernehmen. Damit entsteht zum 1. Januar 2009 ein neuer Billiganbieter für Lebensmittel auf Augenhöhe von Aldi und Lidl. Und das ist noch nicht alles. Edeka will pro Jahr 170 neue Discount-Märkte sowie 200 neue Supermärkte in Deutschland eröffnen. Die Konzentration im Lebensmittelhandel nimmt damit weiter zu.

Nach einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Planet Retail wird der neue Discountriese Netto/Plus Ende 2009 auf 3820 Märkte in Deutschland kommen. Weitere regionale Ketten eingerechnet, dürfte Edeka dann über insgesamt 4390 Discountfilialen verfügen und damit über ein großes Netz an Billigmärkten wie kein anderer. Platzhirsch Aldi wird nach Ansicht der Experten Ende 2009 über bundesweit 4280 Märkte und Erzrivale Lidl über 3130 Märkte verfügen. Zur REWE-Tochter Penny ist der Abstand mit geschätzten 2400 Märkte schon groß.

Auch wenn beim Umsatz weiter Welten zwischen Aldi und Netto/Plus liegen dürften, Edeka schneidet sich ein noch größeres Stück vom Umsatzkuchen im Lebensmittelhandel ab. "Wir sehen noch viele weiße Flecken auf der Landkarte", sagte Edeka-Chef Markus Mosa anlässlich der Freigabe der Plus-Übernahme durch das Bundeskartellamt am Dienstag. In einigen Bundesländern sei Netto noch nicht präsent. Mit 3800 Filialen liege der Jahresumsatz von Netto/Plus bei 10 Milliarden Euro.

Edeka schwingt sich mit aller Macht zu einem führenden Discounter im deutschen Lebensmittelhandel auf. Im Jahr 2004 war sie in diesem am stärksten und weiter wachsenden Segment noch gar nicht vertreten. Der Anteil der Discounter am deutschen Lebensmittel-Einzelhandel wird mittel- bis langfristig von derzeit mehr als 40 Prozent in Richtung 50 Prozent noch zunehmen, meinen Experten. "Die Discounter werden nach wie vor wachsen", sagt Matthias Queck von Planet Retail.

Die Hamburger Genossenschaftsgruppe übernahm 2005 zunächst Netto von Spar. Jetzt folgt der zweite Großeinkauf mit Plus Deutschland. Die hohen Investitionen der Edeka-Zentrale in den Discount-Markt bergen nach Einschätzung von Queck aber auch hohes Konflikt-Potenzial innerhalb der Edeka-Gruppe. Selbstständige Supermarkt-Betreiber könnten sich plötzlich einer Discount-Konkurrenz gegenüberstehen sehen, die möglicherweise noch aus dem eigenen Haus kommt.

Der Markenverband wies darauf hin, dass die fünf größten Lebensmittelhändler nach Untersuchungen rund 90 Prozent des Lebensmittelhandels abdeckten. Allein auf Edeka entfielen schon jetzt 25 Prozent. Die Umsatzbedeutung der Edeka für Lieferanten aus der Markenartikel-Industrie sei teilweise erheblich höher, sagt Verbands- Geschäftsführer Christopher Scholz. Bei Aldi spielten Markenartikel keine große Rolle, der führende Discounter setze auf Eigenmarken.

"Die Konzentration steigt. Das gibt Anlass zur Besorgnis", betont Scholz. Der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler Rewe komme ebenfalls zum Zuge mit der Übernahme von 328 Plus-Märkten. Es sei aber zu begrüßen, dass die Wettbewerbshüter erstmals ausführlich die Auswirkungen auf die Lieferanten betrachtet hätten. Der Markenverband wolle darauf achten, dass die mächtigen Handelsgruppen Lieferanten nicht zur Kasse bieten mit Hochzeits-Boni oder ähnlichen Forderungen.

Tengelmann musste insgesamt knapp 400 Plus-Märkte abgeben, ehe es grünes Licht für den Verkauf der Discounttochter an Edeka gab. Der Mülheimer Familienkonzern entschloss sich zu dem Verkauf, weil für einen Alleingang von Plus sehr hohe Investitionen erforderlich gewesen wären. Tengelmann bleibt am neuen Discounter Netto/Plus beteiligt, wenn auch nur mit 15 Prozent. Eine Einkaufskooperation von Kaiser's Tengelmann und Edeka wurde vom Kartellamt untersagt.

Ein Preiskrieg durch die Fusion von Netto und Plus sei nicht zu erwarten, meint Discountexperte Queck. "Netto wird erst einmal damit beschäftigt sein, Plus zu integrieren." Auch koste die Umstellung der Märkte viel Geld. Mögliche Preissenkungen im Umfeld der Fusion dürften sich auf relativ wenige Artikel beschränken und würden damit letztlich nur eine "kosmetische Aktion" sein. Ob die Verbraucher mit dauerhaften Preissenkungen rechnen könnten, müsse sich zeigen. dpa vd yynwd a3 uw
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