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HRE-Spitze soll Aktionäre getäuscht haben


München (dpa) ­ Die ehemalige Führungsspitze des schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" Aktionäre und Öffentlichkeit ein Jahr lang über die wahre Lage der Bank getäuscht haben. Das gehe aus Ermittlungsunterlagen hervor, berichtet die Zeitung (Freitag). Dem früheren Management werde angelastet, bereits seit dem vergangenen Jahr den Aktionären wesentliche Informationen vorenthalten zu haben. Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft bei einer Großrazzia die HRE-Zentrale in München sowie die Wohnungen von früheren und noch amtierenden Managern durchsucht und zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Bei der Staatsanwaltschaft war am Donnerstagabend niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Durchsuchungen hatten sich gegen die HRE-Vorstände gerichtet, die von November 2007 bis September 2008 im Amt waren, sowie gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden. Namen hatte die Staatsanwaltschaft am Vortag nicht genannt. Die Betroffenen stünden im Verdacht, gegen das Aktien- und Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben, hieß es in dem Bericht. Mehrere der damaligen Vorstände sind noch heute im Amt. Die Bank äußerte sich nicht zu den Ermittlungen, hatte aber zugesagt, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren.

Die Hypo Real Estate war im September durch die Folgen der Finanzkrise in Bedrängnis geraten und konnte nur dank Hilfen des Bundes und anderer Finanzinstitute in Höhe von 50 Milliarden Euro überleben. Innerhalb von einer Woche mussten zwei Rettungspakete geschnürt werden. Der frühere Konzernchef Georg Funke war im Zuge der Verhandlungen darüber von der Bundesregierung massiv kritisiert worden und hatte im Oktober seinen Posten geräumt. Auch der frühere Aufsichtsratschef Kurt Viermetz trat zurück.

Im Durchsuchungsbeschluss heiße es nun, bereits seit September 2007 habe sich abgezeichnet, dass die HRE wegen der Finanzkrise mehr Geld abschreiben müsse. Dies gehe aus einem Bericht der Bank vom 30. September 2007 hervor. Darin sei von Wertminderungen bei bestimmten Finanzpapieren die Rede. Die Bank hatte noch im November 2007 mitgeteilt, sie sei "aus der jüngsten Marktkrise gestärkt hervorgegangen". Diese Erklärung habe dazu gedient, die konkreten Verhältnisse bei der HRE zu verschleiern, lautet der Vorwurf dem Bericht zufolge. Mitte Januar 2008 hatte die HRE dann Abschreibungen von 390 Millionen Euro bekanntgegeben.

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