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Wiener Bank Medici kommt wegen Madoff unter Staatskontrolle


Wien/New York (dpa) - Der Milliardenbetrug an der Wall Street zwingt laut Medienberichten die Wiener Bank Medici als erstes Kreditinstitut unter staatliche Kontrolle. Die Bestellung eines Regierungskommissars stehe "unmittelbar bevor", berichtete die österreichische Tageszeitung "Der Standard" am Mittwoch. Dieser soll weitgehende Kontrolle über das Unternehmen haben. Die Bank Medici, die zu 75 Prozent der österreichischen Bankerin Sonja Kohn und zu 25 Prozent der Bank Austria (BA-CA) gehört, ist dem Bericht zufolge deutlich stärker von dem mutmaßlichen "Schneeball-System" des New Yorker Brokers Bernard L. Madoff betroffen als bisher angenommen.

Allein rund 650 Kunden der zur UniCredit-Gruppe gehörenden Bank Austria könnten durch den Fall rund 150 Millionen Euro verlieren. Auslöser ist der enorme Vertrieb von Fonds, die ihr Geld bei Madoff angelegt haben. Kohn gehört zu den Mitinitiatoren der betroffenen Fonds. Nach Informationen der "Financial Times", die ebenfalls von einer bevorstehenden Kontrollübernahme berichtete, lernte Kohn Madoff bereits in den 80er Jahren kennen und diese Geschäftsbeziehung sei maßgeblich für die Entwicklung des Wiener Bankhauses gewesen. Das Fondsgeschäft soll den Löwenanteil der Einnahmen der Bank ausgemacht haben.

Allein der von Medici vermittelte Fonds Herald USA kommt den Angaben zufolge auf ein Volumen von 2,5 Milliarden Dollar. Damit zählt das kleine Wiener Bankhaus zu den weltweit am stärksten in die Madoff-Affäre involvierten Finanzinstituten. Insgesamt, so schätzt die österreichische Nationalbank, könnten allein österreichische Anleger bis zu 350 Millionen Dollar in die Fonds investiert haben.

Bis vor kurzem hatte die Spitze der 1984 gegründeten Privatbank Optimismus verbreitet. "Der Status der Bank ist solide, sie hat keinerlei Kapital- oder Liquiditätsprobleme", erklärte Medici-Chef Peter Scheithauer noch vor wenigen Tagen. Die 60-jährige Gründerin der Bank war für den "Standard" nicht zu erreichen.

Unterdessen haben die Ermittler in dem Betrugsfall einem weiteren Zeitungsbericht zufolge nun auch Fonds in Steuerparadiesen ins Visier genommen. Anleger in dem gigantischen "Schneeball-System" könnten mit Hilfe solcher Fonds Steuern hinterzogen haben. Untersucht werde dabei auch die Rolle von Banken außerhalb der USA, berichtete die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf einen Insider.

In dem wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte richtete Madoff nach eigenen Angaben einen Schaden von 50 Milliarden Dollar an. Der 70-Jährige hatte vor knapp drei Wochen den Behörden zufolge gestanden und steht derzeit in Manhattan unter Hausarrest. dpa  << zurück zur Übersicht