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Veräußerung der HeidelbergCement-Anteile noch nicht vom Tisch


Ulm (dpa) - Nach dem beschlossenen Verkauf des Pharmakonzerns ratiopharm ist auch eine Veräußerung anderer Merckle-Firmen noch nicht vom Tisch. So sei die Veräußerung der Anteile an HeidelbergCement Teil des gesamten Sanierungskonzeptes, sagte ein Sprecher von Merckles VEM Vermögensverwaltung am Donnerstag in Ulm. Allerdings sei dies nicht Bedingung für den Erhalt des dringend benötigten Überbrückungskredits gewesen. Auch ein Verkauf des Pharmahändels Phoenix bis Jahresende sei noch im Gespräch, berichtete die britischen Tageszeitung "Times" am Donnerstag in ihrer Online- Ausgabe. Dies sei eine Kreditbedingung der Banken.

Am Mittwoch hatten sich die rund 30 Gläubigerbanken mit der Merckle-Gruppe auf den ratiopharm-Verkauf und damit auf eine Zerschlagung des Firmengeflechts geeinigt. Dadurch wurden die finanziell ins Wanken geratenen Unternehmen zwei Tage nach dem Selbstmord des Clan-Chefs Adolf Merckle gerettet. Außerdem muss Merckles Sohn Ludwig als Geschäftsführer von VEM seinen Hut nehmen. Zur Merckle-Gruppe gehören neben ratiopharm und HeidelbergCement auch der Pharmagroßhändler Phoenix sowie rund 100 weitere Unternehmen.

Der Generika-Hersteller ratiopharm soll wegen des derzeit ungünstigen Marktumfeldes jedoch nicht in diesem Jahr veräußert werden, hieß es aus Unternehmenskreisen. Als Käufer käme etwa ein Pharmaproduzent aus dem Ausland in Betracht, der sich im deutschen Markt verstärken will, hieß es.

In der Vergangenheit wurden als Interessenten die israelische Teva Pharmaceuticals, der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der amerikanische Generikahersteller Watson, GlaxoSmithKline und der drittgrößte japanische Pharmakonzern DaiichiSankyo gehandelt. Allerdings sei nach ersten Gesprächen über eine Komplettübernahme von ratiopharm für Teva die Produktion und für Sanofi-Aventis der Vertrieb uninteressant gewesen, hieß es bereits Anfang Dezember.

Den ratiopharm-Verkauf soll ein Treuhänder organisieren. Die Gläubigerbanken und die Merckle-Gruppe müssten sich jedoch noch auf einen Treuhänder einigen, sagte der VEM-Sprecher. Eine Benennung werde nicht vor der Bewertung des Unternehmens geschehen. Bei VEM bleibt nach dem Tod von Adolf Merckle und dem Ausscheiden von Ludwig Merckle zunächst ratiopharm-Finanzchefin Susanne Frieß alleinige Geschäftsführerin.

Zur Phoenix-Gruppe gehört nach "Times"-Angaben auch die Apothekenkette Rowlands in Großbritannien. Die Phoenix-Gruppe mit Sitz in Mannheim werde mit sechs Milliarden Euro bewertet. Mit rund 22 000 Beschäftigten erzielte Phoenix im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Umsatz von rund 20 Milliarden Euro.

Adolf Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen, nachdem er die Einigung mit den Banken noch selbst unterschrieben hatte. Seiner Familie zufolge hatte er es nicht verkraftet, die Kontrolle über sein Firmenimperium zu verlieren. Er hatte sich zudem lange gegen den Verkauf von ratiopharm gesträubt, unter anderem, da er angesichts der Finanzkrise keinen Erlös erwartete, der dem Unternehmenswert entspricht.

Die Trauerfeier ist für diesen Montag geplant. Um 13.00 Uhr soll es einen Gottesdienst in der Stadtkirche seines Heimatortes Blaubeuren geben, sagte der VEM-Sprecher. Allerdings gebe es noch keinen Termin für eine Beisetzung. Diese solle im engsten Familienkreise stattfinden. Die Staatsanwaltschaft gab mittlerweile die sterblichen Überreste des Unternehmers frei. Die DNA-Analyse liege vor, die Identität sei bestätigt, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Zieher.
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