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Krise trifft auch Nokia: Massiver Gewinneinbruch und düstere Prognose


Helsinki (dpa) - Handy-Weltmarktführer Nokia ist von dem massiven Konjunktureinbruch schwerer erwischt worden als erwartet, und es ist keine Besserung in Sicht. Im Schlussquartal 2008 brach der Nokia- Gewinn auf 576 Millionen Euro ein, von 1,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um 19,4 Prozent auf 12,66 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Helsinki mitteilte.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo kündigte ein umfassendes Sparprogramm an und verkündete für 2009 eine düstere Prognose: Man müsse für die Branche im laufenden Jahr einen Absatzrückgang von zehn Prozent erwarten. Noch vor wenigen Wochen hatte Nokia einen Rückgang von lediglich fünf Prozent prognostiziert.

Der Handy-Absatz des erfolgsverwöhnten Branchenführers brach im vierten Quartal um 15 Prozent auf 113 Millionen Geräte ein. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank auf 71 Euro von 83 Euro vor einem Jahr. Nokias Weltmarktanteil schrumpfte auf 37 gegenüber 40 Prozent ein Jahr zuvor. Kallasvuo meinte dazu: "Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Wochen in rasantem Tempo verschlechtert." Darunter habe die Stimmung der Verbraucher sehr gelitten.

Kallasvuo sagte zu den geplanten Sparmaßnahmen: "Wir werden Schritte zur Senkung der Kosten und Sicherung unserer starken Kapitalstruktur einleiten." Bis zum kommenden Jahr sollen 700 Millionen Euro eingespart werden. Einzelheiten nannte Kallasvuo nicht. Sein Unternehmen lag bei fast allen Schlüsselzahlen weit unter den Erwartungen. In der Vergangenheit hatte Nokia diese Erwartungen immer wieder mit überraschend hohen Zuwachsraten übertroffen.

Im gesamten Jahr 2008 verkaufte Nokia 468 Millionen Handys, ein Plus von sieben Prozent. Gemessen am Gesamtmarkt von 1,21 Milliarden Geräten war das noch ein Anteil von 39 Prozent. Das Wachstum des Branche war nach Nokia-Berechnungen mit sechs Prozent bereits deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren.

Bei den als wichtigster Zukunftsmarkt geltenden Smartphones - eine Mischung aus Handy und Mini-Computer - musste Nokia massiv Marktanteile an Konkurrenten wie BlackBerry von Research In Motion oder Apple mit seinem iPhone oder die abgeben. Der Gesamtmarkt der High-Tech-Telefone wuchs um 37,6 Prozent auf 161 Millionen Geräte - der Nokia-Absatz stagnierte dagegen bei 60,6 Millionen. Der Marktanteil schrumpfte dadurch auf knapp 38 Prozent. Vor einem Jahr hielt Nokia noch gut die Hälfte des Smartphone-Marktes.

Im gesamten Jahr rutschte der Nokia-Konzernumsatz um 0,7 Prozent auf 50,7 Milliarden Euro ab. Der Nettogewinn fiel auf knapp vier Milliarden Euro gegenüber 7,2 Milliarden Euro 2007. Die Nokia-Aktie fiel nach der Bilanzveröffentlichung um 7,3 Prozent auf 9,48 Euro.

Die mit dem deutschen Siemens-Konzern gemeinsam betriebene Netzwerksparte Siemens Nokia Networks fuhr im vierten Quartal ein Minus von 179 Millionen Euro ein und setzte 4,3 Milliarden Euro um gegenüber 4,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Positiv hob Nokia hervor, dass das Ziel von Kosteneinsparungen über zwei Milliarden Euro voll eingelöst worden sei.

Für das laufende Jahr rechnet Nokia mit einem Umsatzminus für die Mobilfunk-Ausrüster insgesamt von fünf Prozent. Diese auch schon früher genannte Zahl wurde im Gegensatz zum Handy-Absatz nicht nach unten korrigiert. Der bei Mobilfunkausrüstern führende Ericsson- Konzern hatte am Vortag überraschend positiv Bilanzzahlen veröffentlicht, gleichzeitig aber die Streichung von 5000 Stellen angekündigt.
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