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Quandt-Erbin Klatten überrascht Börse mit ALTANA-Schachzug Von Elke Pfeifer, dpa-AFX


Bad Homburg/Wesel (dpa) - In der ALTANA-Zentrale in Wesel hatten sich am Donnerstag alle auf die Veröffentlichung der Neunmonatszahlen eingestellt, als kurz vor 7.30 Uhr ein Anruf alles veränderte. Die Übernahmeofferte der Milliardärin und Quandt-Erbin Susanne Klatten überraschte sowohl ALTANA-Chef Matthias Wolfgruber als auch den Aufsichtsrats-Vorsitzenden Fritz Fröhlich, die erst dann informiert wurden. An der Börse löste das Angebot ein Kursfeuerwerk aus - die ALTANA-Aktie stieg bis zum frühen Nachmittag um fast 40 Prozent auf knapp über 13 Euro. Im Zug der Finanz- und Kreditkrise waren die Papiere Ende Oktober bis auf 7,53 Euro gefallen. Klatten hält derzeit 50,1 Prozent und will die restlichen Anteile für 910 Millionen Euro in bar übernehmen.

Beobachter sprachen von einem cleveren Schachzug: Klatten kenne als langjährige Mehrheitsaktionärin den Wert von ALTANA. "Warum sollte sie in den derzeitigen turbulenten Zeiten in ein fremdes Unternehmen investieren. Bei ALTANA kann sie die niedrige Bewertung nutzen, um die Firma komplett zu übernehmen", begründete ein Unternehmenskenner die Entscheidung der öffentlichkeitsscheuen Unternehmerin. Nachdem Klatten kaum einmal in die Schlagzeilen geraten war, steht sie nun zum zweiten Mal binnen weniger Tage im Rampenlicht. Für Aufregung hatte zuvor gesorgt, dass sie Opfer eines Kriminellen geworden sein soll. Der Mann soll seit Herbst 2007 von ihr mit intimen Videos mehrere Millionen Euro erpresst haben.

Ungeachtet der Schwierigkeiten durch die Konjunkturabschwächung wies ALTANA in den ersten neun Monaten eine stolze EBITDA-Marge von 20 Prozent aus und erreichte damit die obere Spanne der eigenen mittelfristigen Prognose. Aufgrund der schlechten weltweiten Konjunkturentwicklung haben sich die wirtschaftlichen Aussichten im Jahresverlauf jedoch weiter eingetrübt: "Wir erwarten 2008 nun einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von 1,38 Milliarden Euro oder leicht darüber", sagte ALTANA-Chef Matthias Wolfgruber.

Die zum Klatten-Imperium gehörende SKion GmbH will 13 Euro je ALTANA-Aktie und damit eine Prämie von 38,4 Prozent auf den Vortagesschlusskurs zahlen. Dies ist nach Ansicht von Analysten wie Marcus Konstanti von Sal. Oppenheim oder Saul Rans von der Dresdner Kleinwort zu wenig. "Der Aufschlag ist zu gering und reflektiert nicht das langfristige Potenzial von ALTANA", urteilt Konstanti. Der Sprecher der Quandt-Familie und von SKion, Jörg Appelhans, nennt die Offerte dagegen "sehr attraktiv und fair". Eine Erhöhung sei bei den Mehrheitsverhältnissen eher unwahrscheinlich, hieß es auf Bankenseite.

Beim Erreichen von mehr als 95 Prozent der Anteile könne Klatten ALTANA von der Börse nehmen. Vorstand und Aufsichtsrat der ALTANA AG wollen das Angebot prüfen. Konzernlenker Wolfgruber sieht die Offerte positiv und als Unterstützung der eigenen Strategie  << zurück zur Übersicht