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Chemieriese BASF vor "harten Zeiten" - Unsicherheit in Gesamtbranche Von Marc Strehler, dpa


Ludwigshafen (dpa) - Es war das erklärte Ziel von Vorstandschef Jürgen Hambrecht in den vergangenen Jahren: Die BASF robuster gegen Konjunkturschwankungen zu machen. Die große Bewährungsprobe steht nun bevor. Der weltgrößte Chemiekonzern hat es aber nicht nur mit einer Schwankung, sondern einer handfesten Krise der Weltwirtschaft zu tun. Die Nachfrage der BASF-Kunden ist zuletzt geradezu eingebrochen und Hambrecht greift durch. Er drosselt die Produktion der BASF gleich um 20 bis 25 Prozent. Das soll ohne einen Abbau von Arbeitsplätzen funktionieren, betonte das Unternehmen am Mittwoch. Für die chemische Industrie insgesamt sind die Probleme des Branchenführers kein gutes Zeichen.

Es ist vor allem die Automobilindustrie, die der BASF nun zu schaffen macht. Die Ludwigshafener liefern eine ganze Palette von Stoffen und Produkten, die beim Bau von Fahrzeugen zum Einsatz kommen - vom Lack bis hin zum Katalysator. In den vergangenen Wochen gab es fast schon täglich neue Hiobsbotschaften aus der Autobranche: Die großen amerikanischen Produzenten betteln beim Staat um Hilfe, in Deutschland kämpft der Autobauer Opel darum, nicht zusätzlich in den Abwärtssog des Mutterkonzerns GM gerissen zu werden. Die Hersteller fertigen weniger Fahrzeuge, weil die Menschen weniger Wagen kaufen. Das schlägt nun auch auf die BASF durch, der daneben vor allem noch die Lage in der Bau- und in der Textilindustrie zu schaffen macht.

Dass die Aussichten für den Chemieriesen nach Jahren der Rekordgewinne nicht mehr ganz so rosig sind, hatte Hambrecht schon bei der Vorlage der neuesten Quartalszahlen Ende Oktober deutlich gemacht. Seitdem muss sich die Lage aber noch einmal dramatisch verschlechtert haben. Nun sind 20 000 der weltweit mehr als 95 000 Beschäftigten von der Produktionsdrosselung betroffen. Sie sollen zum Beispiel Überstunden abbauen, während ihre Anlagen stillstehen. Wie lange die Drosselung dauern wird, kann momentan niemand sagen. Von "einigen Wochen" ist bei der BASF die Rede, vereinzelt werde es auf jeden Fall bis in den Januar gehen.

Was bedeutet es für die Chemieindustrie insgesamt, dass der Branchenführer nun zu solch drastischen Maßnahmen greift? Zuletzt hatten die Meldungen von größeren Chemiefirmen eigentlich noch recht optimistisch geklungen, aber das dürfte sich bald ändern. Die BASF ist in der Branche eine Art "Gemischtwarenladen". Sie bietet eine große Bandbreite von Produkten an und hat ihre Abnehmer in den verschiedensten Branchen - und kann so Probleme einzelner Zweige in der Regel zumindest abfedern.

Das unterscheidet die Ludwigshafener zum Beispiel von Spezialchemieunternehmen, die ein Produkt oder einige wenige Erzeugnisse für eine bestimmte Branche fertigen. Dass Chemieunternehmen, die komplett von der Autobranche abhängen, zu den ersten zählen werden, die in Probleme geraten, liegt auf der Hand. Offiziell geht der Branchenverband VCI derzeit noch einem von Produktionsplus von einem Prozent für das laufende Jahr aus. Am Mittwoch gab es dazu vom VCI keinen Kommentar.

Hambrecht sagt, die BASF richte sich auf "harte Zeiten" ein, betont aber auch: "Bei allem notwendigen Realismus sind wir für die Zukunft trotzdem zuversichtlich." An der Börse teilt man diese Zuversicht wohl nicht so ganz. Dort stürzte die BASF-Aktie am Mittwoch zeitweise auf den tiefsten Stand der vergangenen fünf Jahre. dpa mc yyrs a3 pi

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