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Image von LBBW-Chef Jaschinski hat Kratzer - Ablösung aber kein Thema Von Stefanie Baumer und Edgar Neumann, dpa


Stuttgart (dpa) - Das glänzende Image des erfolgsverwöhnten LBBW- Chefs Siegfried Jaschinski hat Kratzer bekommen. Der selbstbewusste Bankmanager ist wegen tiefroter Zahlen seines Instituts auf Hilfe angewiesen und muss sich den Kurs künftig maßgeblich von den Eignern diktieren lassen. Noch vor wenigen Wochen hatte er erklärt, die größte deutsche Landesbank sei von der Finanzkrise lange nicht so hart getroffen worden wie andere Geldhäuser. Jetzt musste der 54- Jährige ein dickes Minus einräumen und um Unterstützung bitten. Im Gegenzug für den warmen Geldregen soll er die Konsolidierung der deutschen Landesbanken vorantreiben - gegen seine Überzeugung.

So müssen bis zu einem möglichen Zusammenschluss mit der Bayern LB seiner Ansicht nach noch große Brocken aus dem Weg geräumt werden. "Wenn man heute beide Banken zusammenschließen würde, gäbe es keinen, der das finanzieren würde", betonte er. Doch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Sparkassenpräsident Peter Schneider drückten unnachgiebig aufs Tempo. "Wir sind dem Ziel, eine starke Landesbank im Süden zu schaffen, einen großen Schritt näher gekommen", sagte Schneider.

Jaschinskis Stuhl wackelt aber trotz aller Probleme wohl nicht. Zwar gibt es aus Teilen des Sparkassenlagers Kritik an seinem Kurs. In den obersten Gremien der LBBW, der Trägerversammlung und dem Verwaltungsrat, sei ein Rücktritt aber kein Thema gewesen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Montag. Der LBBW-Chef selbst hatte auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt gesagt, solche Entscheidungen lägen in den Händen der Träger. Oettinger sagte als Chef der Trägerversammlung daraufhin, der LBBW-Chef habe einen gültigen Vertrag. "Mit ihm wollen wir die Kapitalstärkung und die Zeit, bis wir wieder Licht am Ende des Tunnels für die Finanzwirtschaft und die Realwirtschaft sehen, bewältigen." Hauptanteilseigner sind neben dem Land die Sparkassen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie die Stadt Stuttgart.

Aus der Politik hatte es zuletzt immer wieder Kritik wegen der Informationspolitik der LBBW gehagelt. Das Ausmaß der Belastungen kam scheibchenweise ans Licht. In den ersten neun Monaten 2008 hat das Institut fast 900 Millionen Euro Verlust eingefahren, im Oktober sollen es nach dpa-Informationen weitere 800 Millionen Euro gewesen sein. Belastet haben die Bank vor allem der Zusammenbruch der US- Investmentbank Lehman Brothers und das Engagement in Island.

Noch Mitte Oktober hatte der 54-Jährige beteuert: "Die LBBW steht in punkto Liquidität und Eigenkapital im Branchenvergleich sehr gut da und sieht keinen Bedarf, das Paket der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen." Am Freitag verkündeten nun die Eigner, der Landesbank mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. Nach dpa-Informationen hatte Jaschinski sogar um sechs Milliarden Euro gebeten. Zur Absicherung von Krediten will die Bank außerdem Garantien von 15 bis 20 Milliarden Euro beanspruchen.

Im Gegenzug muss der LBBW-Chef nun in Sachen Fusionen Gas geben. Treibende Kraft hinter dieser Bedingung der Eigner dürften die Sparkassen sein, die seit Monaten auf eine Konsolidierung dringen. Eine nicht unerhebliche Rolle für die Warnungen Jaschinskis vor zu schnellen Zusammenschlüssen dürfte die Übernahme der vom Zusammenbruch bedrohten früheren Sachsen LB und der Landesbank Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr gewesen sein, die nach Angaben der LBBW für einen großen Teil der Verluste verantwortlich sind.

Noch im Frühjahr 2007 hatte Jaschinski die Muskeln spielen lassen und die Konsolidierung vorangetrieben. "Als größte deutsche Landesbank wollen wir die künftige Entwicklung aktiv mitgestalten", hatte er im April 2007 gesagt und ein Zusammengehen als unausweichlich bezeichnet, wolle man auf dem internationalen Parkett auch künftig eine Rolle spielen. Seinerzeit wurde manches Porträt über Jaschinski mit "Alexander der Große" überschrieben - schließlich hat der Historiker über den legendären Herrscher promoviert. Doch diese Phase ist vorerst vorbei. Für die nächsten Monate wird der begeisterte Skifahrer und Jogger einen langen Atem brauchen.  << zurück zur Übersicht