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Schneller Verkauf von ratiopharm gestaltet sich schwierig


Ulm (dpa) - Der schnelle Verkauf des Generikaherstellers ratiopharm auf Druck der Banken gestaltet sich für den in Liquiditätsnot geratenen Milliardär Adolf Merckle schwierig. Finanzkreise sehen einen Verkauf noch in diesem Jahr mit Blick auf die anhaltende Finanzkrise als unwahrscheinlich an, wie die Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch aus Kreisen erfuhr. Der Ulmer Milliardär Adolf Merckle, zu dessen Investment-Imperium ratiopharm gehört, hatte sich mit Spekulationen auf fallende Kurse der Volkswagen-Aktie verhoben und einen Verlust "im niedrigen dreistelligen Millionenbetrag" eingefahren.

Die Gläubigerbanken drehten den Geldhahn zu und vereinbarten ein Stillhalteabkommen mit der zu Merckle gehörenden VEM Vermögensverwaltung. Dieses läuft am kommenden Dienstag (2. Dezember) ab. In Bankenkreisen wird der Finanzierungsbedarf von Merckle auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt. Jede der beteiligten Banken an dem Stillhalteabkommen mit dem schwäbischen Unternehmer hätte ihre Kredite mit anderen Vermögenswerten gesichert und deshalb auch unterschiedliche Interessen, verlautete aus Kreisen der Gläubigerbanken.

Adolf Merckle gilt mit einem Vermögen von rund 9,2 Milliarden Euro als einer der reichsten Deutschen. Doch sein Geld steckt Finanzinformationen zufolge überwiegend in seinen Beteiligungen, so dass er wohl mindestens eine davon verkaufen muss, um die Bankenforderungen bedienen zu können. Durch den drastischen Abschwung an den internationalen Börsen hatten sich die Sicherheiten, die die VEM bei Banken hinterlegt hatte, überdies deutlich reduziert. Die Banken drängen "massiv auf einen Verkauf der ratiopharm oder anderer Beteiligungen", musste der Sohn Ludwig Merckle vor der ratiopharm- Belegschaft in Ulm einräumen.

Auch eine Reduzierung des Merckle-Anteils an HeidelbergCement sei denkbar, heißt es von mehreren Seiten. Merckle hält über seine Beteiligungen knapp 80 Prozent an dem Unternehmen. Gegen einen Komplettverkauf von Heidelberg-Cement spricht, dass der Baustoffkonzern wegen der Übernahme der britischen Hansan einen hohen Schuldenberg angehäuft hat. Zum Merckle-Imperium gehören auch der Pharmagroßhändler Phoenix, an dem Alliance Boots interessiert sein könnte. Weitere Beteiligungen der Familie sind Kötitzer Leder, Spohn Cement und Kässbohrer Geländefahrzeuge. Die Merckle-Gruppe mit etwa 100 000 Mitarbeitern macht jährlich rund 30 Milliarden Euro Umsatz.

Eine definitive Entscheidung für den Verkauf ist nach Aussagen aus Kreisen noch nicht gefallen: "Die Verhandlungen über den Überbrückungskredit mit Herrn Merckle sind eine sehr komplexe Geschichte, da mit der LBBW, der Deutschen Bank, der Commerzbank oder auch der ABN Amro und der Royal Bank of Scotland (RBS) verschiedene Interesse am Tisch sitzen", heißt es aus Gläubigerkreisen. Danach soll sich die Royal Bank of Scotland lange geweigert haben, die Stillhaltevereinbarung zu unterzeichnen.

Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro (2007) und den nach der jüngsten Krise wieder guten Gewinnmargen könnte ratiopharm durchaus einen Verkaufserlös von drei bis fünf Milliarden Euro einbringen - wenn man die zuletzt gezahlten Aufschläge bei Generikaübernahmen als Maßstab heranzieht. "Fünf Milliarden Euro ist die Bewertung für gute Zeiten. Jeder weiß aber derzeit, dass Merckle sich von Beteiligungen trennen muss, da er den Banken mindestens 700 Millionen Euro schuldet", sagte ein Branchenkenner. Aus diesem Grund sei höchsten ein Verkaufserlös von drei bis 3,5 Milliarden Euro realisierbar.

Als Interessenten für Deutschlands viertgrößten Generikahersteller werden die israelische Teva Pharmaceuticals, der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der amerikanische Generikahersteller Watson, GlaxoSmithKline und der drittgrößte japanische Pharmakonzern DaiichiSankyo gehandelt. Nach ersten Gesprächen über eine Komplettübernahme von ratiopharm sei für Teva die Produktion und für Sanofi-Aventis der Vertrieb uninteressant gewesen. Pfizer sei weiterhin ernsthaft interessiert.

Ratiopharm ist seit Jahrzehnten in der Hand der Merckles. Seine Familie hatte schon im 19. Jahrhundert einen Pharmahandel gegründet und stieg später in die Medikamentenproduktion ein. 1973 startete ratiopharm in Blaubeuren als erster Hersteller von Generika in Europa. Ratiopharm als weltweit viertgrößter Generikahersteller hat in Deutschland einen Marktanteil von rund 20 Prozent.
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